Wie Sie vielleicht schon beim sehen der Fotos vermuten, richtig- ich bin die Ehefrau des Hobby-Triathleten Arthur Groß. Um es vorweg zu nehmen, ich bin keine Omathlet = Triathletin. Ab und zu begleitete ich meinen Mann zu den Triathlonveranstaltungen, habe auch durchaus Verständnis und eine positive Einstellung zu dieser Sportart, aber ausführen möchte ich den Sport nicht. Respekt vor dieser sportlichen Leistung aber in jedem Fall.
Schwimmen. Meine Eltern (besonders meine Mutter) waren überaus ängstlich, als Kind durfte ich nie ins Schwimmbad gehen, nach dem Motto: „Du darfst nicht eher ins Wasser, bevor du Schwimmen kannst“. Als Teenager habe ich das Schwimmen erlernt, aber nie so ganz richtig, es reicht aber, um nun nicht mehr zu ertrinken. Später im Erwachsenenalter konnten dann noch leichte Fortschritte im Schwimmen erzielt werden. Ehemann und Kinder trugen zu diesem sportlichen Erfolg bei. An einem Wettkampf des Triathlon Sport könnte ich da nur schlecht teilnehmen- im Vorfeld schon, weit vom Erfolg entfernt.
Radfahren. Hier war ungefähr die gleiche Situation, als Kind war das Rad fahren kein Thema. Radfahren erlernte ich ebenfalls erst als Teenager. Eine Landung auf dem Kotflügel eines fahrenden Autos schränkte vorerst mal den Verkehr meines Radfahrens ein. Später dann, kam es zu Familienfahrradausflügen mit Mann und Kinder, aber alles im Rahmen mehr der Gemütlichkeit. Gelegentlich fahre ich schon ein wenig mit dem Fahrrad. Im Sommer 2001 habe ich sogar weit über 100 km zurück gelegt. Ehrlich gesagt, irgendwie macht mir das Radfahren nicht so richtigen Spaß, dass Gelände ist mir auf dem Westerwald etwas zu Schwierig.
Laufen – nun ja, dass kann der Mensch ja von Natur aus! Der eine kann es schneller und besser, der andere halt schlechter. Hier liege ich in der „Goldenen Mitte“, meine sportlichen Ambitionen waren viele Jahre geprägt vom Tennis spielen, leider musste ich es aus Gesundheitlichen Gründen aufgeben. Schon in meiner Kinder und Jugendzeit war ich sportlich versiert, in der Schule bei den Bundesjugendspielen ganz vorne dabei. Laufen, Weitsprung und werfen mit dem Schlagball, sowie Turnen am Barren und Ringe wurden mit Urkunden belohnt. Skilaufen, ein von mir gerne ausgeübter Wintersport. Und nun, wie ich als 50 Jährige zum Laufen kam, war mehr oder weniger eine „Laune“.
Mittlerweile nicht mehr im Berufsleben tätig, träge werdend, der Beginn einer Fettleibigkeit abzeichnend, beginnende Blutdruckprobleme, meine Langeweile u.a. verkürzend mit Kaffee und „blauem Dunst“ frönend, da war es an der Zeit, etwas zu ändern- aber was? Aus dem Nichts heraus zog ich mir am 4. Advent 1999 „meine Laufschuhe“ an, und „lief“ natürlich mit viel Laufpausen meinen ersten Lauf, so ca.1,5 km an der Nister entlang. Nicht weit, aber weit genug, um auf den Geschmack zu kommen, es von da an kontinuierlich in den Tagesablauf einzubauen.
Im Oktober 1999 waren mein Mann und ich als Zuschauer beim Marathonlauf in Köln. Irgendwie kam mir da schon die Idee es vielleicht einmal selbst mit dem Laufen zu probieren, behielt aber diesen Gedanken vorerst mal für mich. Wieder zu Hause, rückte vorerst einmal diese Idee wieder in weite Ferne. Einige Wochen vor dem Jahreswechsel überlegten wir, wo wir den Millennium Jahreswechsel feiern wollten. Die Entscheidung fiel sehr schnell, wir entschieden uns für München. In dieser Stadt wurde ich 1949 geboren, und diese wunderschöne Metropole mögen wir beide sehr. Während der Vorbereitung für diesen Kurztrip, kam es zwischen uns beiden zu folgendem Dialog.
Arthur: „Auf dem Münchener Olympiagelände soll jedes Jahr ein 10 KM Silvesterlauf stattfinden, ich werde mich mal genauer informieren, und evtl. daran teilnehmen.“
Christa: „Findet dort auch ein 5 KM Jedermannlauf statt?“
Arthur: „Schon möglich, weiß es aber nicht genau, aber warum fragst du?“
Christa: „Ich möchte daran teilnehmen!“
Arthur: „Aber du bist doch völlig untrainiert und nicht vorbereitet!“
Christa: „Dann bereite ich mich halt eben noch vor.“
Arthur: „Bis Silvester sind es weniger als 2 Wochen.“
Christa: „Zwei Wochen, das ist eine lange Zeit, lang genug um das „Ding“ vorzubereiten!“
Arthur: „Deine Entscheidung dort zu laufen finde ich natürlich großartig, meine Einstellung zum Laufsport kennst du ja, aber eine Strecke von 5 KM können allerdings für einen untrainierten Menschen, lang, sehr lang werden, du wirst dich wundern!“
Christa: „Wundern?! – kein Thema!“
Also meldete ich mich zu diesem 5 KM Lauf an, aber nicht so ganz wohl bei dem Gedanken, den immerhin hatte ich jetzt zwar „trainiert“, aber Lauftraining konnte man das eigentlich nicht nennen.
Am 31.12. 1999 vormittags, etwa um 10:45 Uhr war es dann endlich so weit, vor der tollen Kulisse des Münchner Olympiastadions, hier wollte ich mein Debüt als Läuferin geben. Ein wenig mulmig war mir schon zu Mute, als ich beobachtete, dass sich überwiegend jüngere Leute zum 5 KM Lauf aufstellt hatten. Aber ich stellte mich einfach dazu, und wartete auf die Dinge die da kommen sollten. Noch ein Küsschen vom Ehemann, und den guten Ratschlag, bei Laufbeginn das Tempo zu mäßigen, fiel auch schon der Startschuss. Peng! - „Au Backe“, was rannten die alle los, mit so einem Tempo hatte ich nicht gerechnet. Gnadenlos wurde ich schon nach den ersten 100 Metern nach hinten durchgereicht, und beim ersten Kilometer war ich schon am Schluss des Feldes. Neben mir lief ein älterer Herr, etwa70-75 Jahre alt, mit ihm kämpfte ich um die letzte Platzierung, mal war ich letzter, und mal war er es. Applaudierten Zuschauer am Straßenrand stehend um der Laufmotivation genüge zu leisten, rief auf einmal jemand hinter mir her: „Do mei, lauf’s zua.“, der hat gut reden dachte ich, und lief tapfer weiter, lief Kilometer um Kilometer, die Strecke erschien mir unendlich, meine Beine schmerzten, aber erstaunlicherweise musste ich keine Gehpausen einlegen, schließlich war dieses ein Volkslauf und kein Volkswandertag. Bei Laufkilometer vier überholte ich zum letzten Mal meinen unbekannten älteren Laufpartner, und lief vor ihm als zweitletzte ins Ziel. Dort im Zieleinlauf erlebte ich kein Gefühl der Euphorie, und auch kein super Gefühl, im Gegenteil, völlig erschöpft war ich dem Zusammenbruch nahe. Nach einer kurzen Erholungsphase sah ich die Welt schon anders, jetzt erst merkte ich, was ich geleistet hatte, eine Herausforderung an mich. Gegen meine Erwartung das Ziel, was ich mir gesteckt hatte, erreicht zu haben erstaunte mich. Zufrieden und stolz war ich nun doch letztendlich. Mein Mann strahlte über das ganze Gesicht, selbst seine grauen Bartspitzen „strahlten“ in der Münchner Mittagssonne. Seitdem laufe ich regelmäßig, im Durchschnitt etwa 100 bis 120 KM im Monat.
Im Mai 2000 nahm ich an meinem ersten 10 KM Volkslauf teil, die Platzierung, nun ja, einer muss ja den Schluss machen. Inzwischen an vielen 10km Läufen in z teilgenommen, in den Platzierung immer besser geworden, wagte ich es nun, nach guter Vorbereitung im März 2002 meinem ersten Halbmarathonlauf laufen zu wollen, und setzte diesen glatt „in den Sand“. Klar- voller Frust endete dieser Tag. Einige Wochen danach, versuchte ich es erneut, diesmal mit Erfolg, wobei ich sagen muss, dafür muss man schon ganz schön fit sein- und ohne Fleiß, kein Preis! Dreimal bis jetzt, bin ich einen Halbmarathon gelaufen.
Allen Frauen ab einem gewissen Alter möchte ich einfach empfehlen, den Laufsport einmal zu versuchen. Laufen dient der Fitness und auch der Psyche, wobei ich sagen muss, es ist kein Garant für alles.
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Viele Grüße
Christa Künkler-Gross