Opathlet

Vielleicht bist du enttäuscht, wenn du versagst, aber du bist verloren, wenn du es gar nicht erst versuchst.

Beverly Sills

Als ich  vor etwa 20 Jahren mit dem Laufsport begann, ahnte ich nicht, dass ich überhaupt  einmal an einem Marathonlauf  teilnehmen würde.

Damals schaffte ich gerade einmal 2-3 Kilometer nonstop durchzulaufen, das ich 42,195  KM laufen würde, war für mich völlig undenkbar. 1995 in  Berlin, auf dem Kurfürstendamm war es dann soweit, dort  überquerte ich erstmals bei einer Marathonveranstaltung  die Ziellinie. Inzwischen schmücken 17 Marathonmedaillen  mein Zimmer.

Vor mehreren Jahren fasste ich den Endschluss, mir einmal pro Jahr einen Marathonlauf zu  gönnen. Von 1995 bis 2011 ist mir dieses ohne Unterbrechung gelungen. Natürlich hoffe und wünsche ich mir, das ich dieses Vorhaben, noch sehr viele Jahre realisieren kann.

Da ich mich noch an alle 17 Läufe sehr gut erinnere, möchte ich  über jeden Lauf  ein paar Zeilen schreiben.

 

September  1995.  Nr.1. Berlin

Als Marathongreenhorn leistete ich mir schon bei der Vorbereitung zu diesem Debüt einen großen  Fehler. Vor lauter Panik, nicht richtig vorbereitet zu sein, lief ich wenige Tage vor der Veranstaltung  noch einmal 38 Kilometer. Den Lauf selbst begann ich mit viel zu hohen Tempo. Außerdem trank ich in der Anfangsphase zu wenig. Bei KM.25  war ich völlig fertig. Bei KM. 39 entschloss ich mich aufzugeben, ich konnte nicht mehr, lief aber trotzdem weiter, schwor mir aber, dass ich niemals  mehr im Leben einen Marathon Laufen würde. Den Zieleinlauf erlebte ich irgendwie wie in Trance. Jedenfalls wusste ich nicht, was um mich herum passierte. Anschließend   setzte ich mich auf eine Bank und heulte wie ein kleiner Junge.

 

November 1996. Nr.2. New-York

Die Startkarte für diesen Lauf schenkte mir meine Frau Christa zur Silberhochzeit, im März 1996. Ja, dieser Lauf war Begeisterung pur! Ich sehe es heute noch vor meinen Augen, wie ich von der Queensboro- Bridge  aus kommend in die First-Avenue einbog, die 7 Kilometer lange, schnurgerade Straße, gesäumt von Tausenden von Zuschauern,  dort sah ich auch  einen  kleinen Afroamerikanerjungen stehen, ich gab ihm mein Stirnband, und sah das Strahlen in seinen Augen, für diese Geste. Beim Zieleinlauf sehe die gelben  Blätter im Central- Park und höre noch den ohrenbetäubenden Lärm als ich über die Ziellinie überquere. Ja, der New- York Marathon war einfach einmalig.

 

 

September 1997. Nr.3. Köln

Dieses war der erste Marathon in Köln, und es  war für den Veranstalter eine gelungene Primäre. Das Kölner Publikum hatte Erfahrung mit Stimmung anheizen. Dieser Lauf bereitete mir viel Freude. Ein wenig schade war es, das meine krampfende linke Wade, meine gute Stimmung trübte. Und weil das Ganze  so schön war, startete ich an gleicher Stelle, ein Jahr später erneut. 

 

September 1998. Nr.4. Köln

1998 war das Flair und die Stimmung genau so gut wie das Jahr zuvor. Eine tolle Veranstaltung, leider in der Anfangsphase durch nasskaltes Hundewetter in wenig  getrübt. Sehr schön fand ich an diesem Tag, das mein privater Fanclub mit mir nach Köln reiste. Meine Frau Christa und meine 3 Nichten, Judith, Claudia und Monika feuerten mich am Streckenrand lautstark an.

 

April 1999. Nr.5. Hamburg

Dieser Lauf hat mir sehr gut gefallen. Ein  traumhaft schöner Frühlingstag .Strahlend blauer Himmel,  die frisch blühenden  Blumen und Bäume an der Binnenalster. Die tolle Stimmung am Fischmarkt, die Riesenschiffe auf der Elbe. Rundherum eine super Veranstaltung, mit einem tollen Publikum.

 

Mai 2000. Nr.6. Hannover

Dieser Lauf hatte durchaus seinen Reitz. Am Maschsee  vorbei, oder durch die Eilenriede zu laufen war schon toll. Aber irgendwie hatte ich den Eindruck, das die Bürger Hannovers sich nicht  für diesen Lauf interessierten. Am Streckenrand waren  kaum Zuschauer, keine anheizende Stimmung, wie bei den bisherigen Marathonläufen, zusätzlich  machte mir die hohe Temperatur von über  + 25 °  C ein wenig zu schaffen.

 

Oktober  2001. Nr.7. Frankfurt

Im Sommer 2000 erlitt ich einen Bandscheibenvorfall. Ich wurde operiert, und es ging mir viele Wochen richtig schlecht. An Sport war nicht mehr zu denken. Und schon gar nicht mehr an einen Marathonlauf. Meine Psyche war damals total im Keller. Ab Jahresbeginn 2001 ging es aufwärts mit mir. Nach einer langen Verhandlung mit meinem Hausarzt gab dieser damals grünes Licht, für eine Vorbereitung zu einem Marathon. Im Sommer trainierte ich fleißig, und stand im Oktober wieder an einem Marathonstart. Ich war wieder dabei. Das Wetter an diesem Tag hätte  besser sein können (Regen, Wind, Kälte)   aber ich kam im Ziel an. Für mich ein unglaubliches Erlebnis.

 

Mai 2002. Nr.8. Mainz

Beim Partnerschafts-Marathon in Mainz standen meine Frau Christa und ich gemeinsam auf dem Startplatz.  Bei schönem Wetter und angenehmen Temperaturen, liefen wir beide zusammen los. Christa lief eine Runde (HM Distanz) ich lief  die volle Distanz von  zwei Runden. Das Publikum in Mainz konnte genau so gut wie die Kölner Stimmung machen, sicherlich lag es am Karneval. Wir durften  beide eine schöne angenehme Veranstaltung erleben. Das Christa bei ihrem zweiten Halbmarathon im Ziel ankam, freute mich mehr, als mein eigener Marathonerfolg.

 

April 2003. Nr.9. Bonn

Bei diesem Lauf stimmte irgendwie alles. Schönes Frühlingswetter, frische und  Sauerstoffeiche Luft, Ich fühlte mich in einer sehr guten Verfassung. Von den 42 Kilometern, lief ich etwa 35 Kilometer neben meinem Vereinfreund Dietmar her. Im Ziel durfte ich mich über meine persönliche Marathonbestzeit von 4:10 Std. erfreuen.

 

April 2004. Nr.10. Essen

Dieser Marathon wurde in Dortmund  gestartet, führte  durch das halbe Ruhrgebiet, und endete mit dem Zieleinlauf in  Essen. Auch bei dieser Veranstaltung  war das Wetter ganz auf meiner Seite, wieder tolles Frühlingswetter, eine gute Stimmung in den Ortschaften am Streckenrand. Die Laufstrecke  beinhaltete zwar einige Steigungen, aber damit konnte ich leben. Auch an diesem Tag war ich in einer guten Verfassung. Die letzten etwa 500 Meter bis zum Zieleinlauf  erlebte ich mit einem ohrenbetäubenden Lärm (fast wie in New- York). Der Zieleinlauf war einfach ein  Erlebnis.

 

Juni 2005. Nr.11. Koblenz 

Diese Veranstaltung die durch das Rheintal von Oberwesel bis noch Koblenz führte, war  von Hochsommertemperaturen geprägt. Für mich galt an diesem  Tag die Devise: Nur ankommen, und  trinken, trinken, trinken. Zunächst verlief alles bestens, aber nach etwa 35 Laufkilometer bekam auch  ich wegen Elektrolytmangel einige Probleme. Das Ziel am Deutschen Eck in Koblenz durfte ich erreichen, und war ein wenig stolz auf mich, das ich den Lauf unter diesen Bedingungen überhaupt beenden konnte. Das Thermometer zeigte übrigens über + 35 ° C

 

November 2006. Nr.12. Simmerath

Die Teilnahme am Rursemarathon war für mich eine neue Herausforderung, zum erstenmal nahm ich an  einem reinen Landschaftsmarathon teil. Schon beim Studieren des Streckenplanes bzw. des Höhenprofils  ahnte ich schon  was auf mich zu kam. Der Lauf führte fast ständig am wunderschön gelegenem Rursee vorbei. Die Herbstluft war kühl und frisch, und ich war von der tollen Landschaft so fasziniert, das ich einfach den Sinnen freien Lauf gab. Offensichtlich hatte ich mich selbst ein wenig überschätzt und war in der Anfangsphase des Laufes einen Kick zu schnell. Vielleicht hatte ich die unzähligen Steigungen auch nicht so ganz ernst genommen. Bis  KM 35 verlief alles bestens, dann kamen in der Schlussphase des Laufes noch einige ganz heftige Steigungen, und irgendwann wollten meine Beine nicht mehr so richtig. Die letzten Kilometer musste ich mich ein wenig quälen, aber auch dieser Marathonzieleinlauf war für mich wieder einmal grandios,  es durften auch einige Freudentränen fließen.

 

Oktober 2007. Nr.13. Frankfurt

Leider konnte ich mich aus verschiedenen privaten Gründen nicht so richtig auf den Frankfurt Marathon vorbereiten. Mit ein wenig Pessimismus musste ich an den Start gehen Doch nun zur eigentlichen Veranstaltung.

Das Wetter war  kühl Ca. + 8° C als ich mich zum Start  aufstellte. Dieser Lauf sollte ganz  meiner kleinen Enkeltochter Emma gewidmet werden, die 3 Wochen vorher geboren wurde. Frohgemutes durchlief ich meine ersten Kilometer, musste leider aber schon nach etwa 10 KM feststellen, das es  jetzt zum tragen kam, das meine Vorbereitungen nicht zu 100 % abgelaufen waren. Also Augen zu und durch, vorbei an Bürohochhäusern, am Main entlang, lief ich tapfer weiter und dachte so wenig wie möglich an meine Beine  die schon früh zu schmerzen begannen. Inzwischen stand die Sonne hoch am Himmel als ich nach 21 KM die Hälfte des Laufes geschafft hatte. Das Wetter war Ideal, und obwohl ich an diesem Tag nicht in der besten Körperlichen Verfassung war, wurde meine Psyche immer besser. Immer wieder musste ich an meine kleine süße Enkeltochter denken. Leider verlief die Schlussphase des Laufens nicht so nach meinem Geschmack. Ab KM 35 schmerzten meine Beine brutal. Belohnt wurde ich für diesen Lauf mit einem unvergesslichen Zieleinlauf in  der Frankfurter Festhalle.

 

April 2008. Nr.14. Bonn

Die Teilnahme am Bonn Marathon war geprägt vom Wechselbad der Gefühle. Auf den Lauf war ich gut vorbereitet, und freute mich riesig auf die Veranstaltung. Schönes sonniges, angenehm kühles Wetter bekleidete mich durch die Straßen von Bonn. Es ging mir gut, das Laufen machte mir Spaß, leider begann zu erst mein linker  hinterer Oberschenkelmuskel ab KM 30 zu Schmerzen. Ab etwa KM 35 schmerzen ähnlich wie in Frankfurt beide Beine recht heftig, aber dieser Schmerz war wie weggeblasen, als ich auf dem Bonner Radhausplatz die Zielline überquerte. Ja so ein Zieleinlauf bei einem großen Stadtmarathon ist immer wieder eine  Faszination. 

 

Oktober 2009. Nr.15. Hachenburg

In dem  Jahr   entschloss ich mich aus verschiedenen Gründen, einfach einmal an einem Marathonlauf direkt in meiner Heimat, in Hachenburg teilzunehmen. (Hachenburg liegt etwa 10 KM von meinem Wohnort Mörsbach entfernt)

Dieser Marathon war eben ein wenig  anders, ein reiner Landschaftslauf, durch den wunderschönen Westerwald. Mit entsprechenden Steigungs- und Gefälleabschnitten, fast ausschließlich über Feld und Waldwege.  Das Starterfeld war mit etwa 150 Teilnehmern, gemessen an den großen Stadtmarathons äußerst  klein.  Zuschauer am Streckenrand, fast keine.

Mein Ansinnen war es, einfach nur, im Ziel ankommen, die erreichte Endzeit war Nebensache.

Als der Start freigegeben wurde, strahlt die Sonne, die Luft ist  mit Ca 5° + C recht frisch,  und sauerstoffreich.

Das Laufen  durch die  wunderschöne Westerwaldlandschaft bereitete mir sehr viel Spaß. Ich fühlte mich in einer sehr guten Verfassung, und hatte  abgesehen von einigen unerheblichen  Krämpfen in den Beinen  bei diesem  Lauf  keinerlei  Probleme.

In Hachenburg, wo ich lange wohnte, und auf dem Marktplatz auf dem ich meine Kinder vor vielen Jahren im Kinderwagen spazieren  fuhr. Hier bei einem Marathonlauf über die Ziellinie zu laufen einfach ein super Gefühl.

Nach 4 Std.  und 39 Min. drücke ich auf meine Stoppuhr.

Oktober 2010.  Nr. 16. München: Klick

April      2011.   Nr. 17 Bonn:        Klick