Sehr gut erinnere ich mich noch an den 01.04.1961. Dieser Tag war mein erster Tag als KFZ. Mechaniker-Lehrling, (heute Auszubildender).
Jetzt, über 50 Jahre später, denke ich, sollte es genug sein. Vor einigen Wochen, sagte ich meinem aktiven Arbeitsleben endgültig Lebewohl, der 01.10. war mein erster Rentnertag.
Oft in diesen Tagen, kreisen meine Gedanken, bis weit zurück, in meine frühe Kindheit.
Sehr oft denke ich an:
….Meine ersten Lebensjahre im bitterarmen Nachkriegsdeutschland, als ich mit meinen Geschwistern unter ärmlichsten Bedingungen aufwuchs.
….Meine Einschulung als 6 Jähriger in der Dorfschule.
….Den Lehrer, ein Flüchtling aus Schlesien, der alles konnte nur nicht mit Kindern umgehen. Noch heute sehe ich ihn brüllend, den Haselnussstock schwingend vor der Klasse stehen.
….Den Konfirmandenunterricht, und den Pfarrer, einen ganz lieben Menschen, der mir vieles auf den Lebensweg mitgab, von dem ich noch heute profitiere.
….Den besagten 01.04.1961.
….Die Lehrzeit, mit Oel verschmierten Fingern und immer schmutzigen Overall.
….Mein erstes Moped, das immer kaputt war, und ich kein Geld für Ersatzteile hatte.
….Die Zeit, als ich im Vollrausch mit Freunden durch die Kneipen torkelte.
….Das Wirtschaftswunder, und die viele Arbeit.
….Die erste Liebe, und den ersten Liebeskummer.
….Den Tag als ich Christa kennen lernte, und mein Leben sich veränderte.
….Unsere Heirat, die Geburt der Kinder, den Umbau und Renovierung des Hauses.
….Die Meisterschule, und den Stolz den Meisterbrief in Empfang zu nehmen.
….Die Arbeit die mir als junger KFZ. Meister oft über den Kopf wuchs, den Aufstieg der Firma in der ich tätig war.
….Die Magenschmerzen die mich jahrelang begleiteten, das Mobbing in der Firma, und die Magenoperation, bei der ich beinahe gestorben wäre.
….Die Geburt meiner Enkelkinder, und an jeden Moment die ich mit diesen liebenswerten Persönchen erleben durfte
….Den Niedergang der Firma in der ich seit 1984 tätig war.
….Den Tag im Sommer 2010, an dem ich mir einen Kalender für 2011 zulegte und schon einmal meinen letzten Arbeitstag nachrechnete.
….Natürlich den letzten Arbeitstag.
Jetzt im Herbst 2011 beginnt für mich ein neuer Lebensabschnitt, und ich muss einmal rückblickend sagen. Das ich allertiefste Dankbarkeit empfinde. Dankbar darüber, das mir persönlich ein Krieg, eine Vertreibung, eine Flucht, und große Naturkatastrophen erspart geblieben sind.
Auch wenn ich als Kind erfahren musste, das meine Eltern an allen Ecken und Enden sparen mussten. So bin ich doch dank einer kleinen Landwirtschaft die meine Eltern betrieben, täglich satt geworden. Nicht allen Kindern, in den direkten Nachkriegsjahren war dieses gegönnt.
Glücklich bin ich darüber, das ich meine Frau Christa kennenlernen durfte, und das Christa über 40 Jahre an meiner Seite, durch dick und dünn geht.
Ganz besonders freue ich mich, über meine, Tochter und meinen Sohn, beide Kinder bereiteten meiner Frau und mir, keine nennenswerte Sorgen. Beide sind schon längst erwachsen, die Tochter ist Leiterin eines Kindergartens, der Sohn Maschinenbauingenieur.
Mein Leben ist durchaus nicht immer glatt verlaufen, auch mich haben oft sehr große Sorgen und Nöte gequält, allerdings möchte ich an dieser Stelle nicht darauf näher eingehen.
Was meine persönliche Zukunft betrifft? Natürlich hoffe, und wünsche ich, dass mir meine gute Gesundheitliche Verfassung noch lange erhalten bleibt. Und natürlich, werde ich einmal, endgültig zum letzten mal meine Laufschuhe schnüren, zum letzten mal auf meinen Fahrrad sitzen. Das kann schon morgen sein, oder, so hoffe ich irgendwann einmal, in vielen, vielen Jahren.
Auch wenn es ein unangenehmer Gedanke ist, so wird mein nächster Lebensabschnitt der Gang in das Altersheim sein. Ich hoffe dass dieser Termin noch in ganz weiter Ferne sein wird.
Gedanken die mir im Augenblick durch den Kopf gehen, sind die, um die Zukunft meiner 4 Enkelkinder. Eine Zukunft die düsterer nicht sein könnte. Diese Kinder wachsen in eine Welt, die meine Generation, mit ihrer Habsucht, und der Gier nach Geld, ausgeplündert, vergiftet, verstrahlt (Gorleben) und wie einen Haufen Schutt hinterlassen hat.
Oft, sehr oft, denke ich darüber nach, wenn ich eines meiner Enkelkinder auf dem Schoß sitzen habe.
Was werden diese Kinder für eine Welt vorfinden, wenn sie in einem Alter sind, wie ich es im Augenblick bin?